Das vergangene
Film-Jahrzehnt war geprägt vom Einsatz computergenerierter Special Effects und
den daraus resultierenden enormen Produktionsbudgets. Neben epischen Abenteuern
á la Der Herr der Ringe oder Fluch der Karibik hat Hollywood auch das tot
geglaubte Genre der Comicverfilmung neu entdeckt: Superman,Spider-Man, Batman & Co. wurden –mal eindrucksvoll, mal
enttäuschend– wieder zum Leben erweckt. Im Kontrast dazu stehen die kleinen
aber feinen Independent-Produktionen wie etwa Garden State oder Lost in Translation.
Damit die
bedeutendsten Werke der auslaufenden Dekade auch garantiert nicht in
Vergessenheit geraten, präsentiert Ihnen die maxdome Redaktion ihre Favoriten der
Jahre 2001 bis 2010.
2001 Der Herr der Ringe - Die Gefährten
Dieser Film hat neue Maßstäbe gesetzt, was die Umsetzung von Big Budget Filmen angeht. Mit viel Liebe zum Detail hat Regisseur Peter Jackson die dreiteilige Romanverfilmung des Fantasy-Klassikers von J.R.R. Tolkien in Angriff genommen. Mit epischer Wucht und grandiosen Bildern erzählt er die Geschichte des Hobbits Frodo, der mit seinen Gefährten zum Schicksalsberg aufbricht, um den Ring des Dunklen Herrschers Sauron zu zerstören. Trotz einiger filmischer Freiheiten hätte Peter Jackson das Buch nicht besser umsetzen können. Der erste Teil legte den Grundstein für den Riesenerfolg der Filmtrilogie, die mit insgesamt 17 Oscars ausgezeichnet wurde. "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" ist ein episches Meisterwerk, welches das Fantasy-Genre im Kino neu definiert. [pfü]
2002 City of God
Authentizität ist nur eine der großen Stärken der Literaturverfilmung von Fernando Meirelles ("Der ewige Gärtner"). So wurde der Film nicht nur an Originalschauplätzen in den Favelas von Rio de Janeiro gedreht, es wurden auch nahezu alle Rollen mit ansässigen Laiendarstellern besetzt. Erstaunlicherweise ist dabei am Ende kein wackelig gefilmtes Amateurprojekt herausgekommen, sondern ein beeindruckend wuchtiger Film entstanden, der vor allem durch seine wunderbare Bildsprache und die eingängige Musik überzeugt. Kein Wunder, dass "City of God" seinerzeit für vier Oscars nominiert wurde. Auch wenn er keine der begehrten Trophäen abgreifen konnte, führte der enorme internationale Erfolg dazu, dass Regisseur Meirelles seine Erzählungen aus den Armenvierteln von Rio danach noch in der Fernsehserie "City of Men" ausweitete. [msc]
2003 Lost in Translation
Sofia Coppola hat als Tochter eines der einflussreichsten Regisseure und Produzenten sicherlich ein schweres Erbe anzutreten. Anmutig inszeniert die Regisseurin in "Lost in Translation" die Hoffnung der Menschen, zu finden und gefunden zu werden. Eine starbesetzte, unkonventionelle Romanze in der Scarlett Johannson ("Prestige", "Die Insel") und Bill Murray ("Ghostbusters") sich in einer schlaflosen Nacht an der Bar eines Luxushotels kennen lernen. Die zufällige Begegnung führt zu einer ungewöhnlichen Freundschaft über die Entfremdung und Einsamkeit in einer modernen und fremden Metropole. "Lost in Translation" ist eine stilvoll originelle Tragikkomödie über eine Sichtweise des Lebens, welche man oft erst in der Ferne erkennt. [kri]
2004 Garden State
Zach Braff (den meisten wohl bekannt als tagträumender
Jung-Arzt aus der Serie "Scrubs") ist zugleich Drehbuchautor, Regisseur und
Hauptdarsteller des Films. Sein nachdenklich erzähltes Erstlingswerk ist voll
von eigentümlicher Romantik und liebenswerten Skurrilitäten. Doch für den, der
sich in der Hauptfigur wiedererkennt, ist der Film mehr als die Summe seiner
Teile. Denn wahre Romantik ist mehr als ein Candle-Light-Dinner unter
Sternenhimmel. [cwa]
2005 Batman Begins
Wie nur wenige Filme bildete "Batman Begins" den großen Durchbruch für eine Vielzahl der Beteiligten. Denn mit seinem ersten Big-Budget-Hollywood-Engagement schaffte Christopher Nolan ("Inception") nicht nur die Wiedergeburt des totgeglaubten Mythos um den dunklen Rächer aus Gotham City, den nach den bonbonbunten Blödelversionen mit George Clooney und Arnold Schwarzenegger eigentlich niemand mehr ernst genommen hatte. Nolan entschied sich nämlich für einen kompletten Neuanfang und baute die Story auf den deutlich düstereren Comicvorlagen von Frank Miller auf. Zufällig ebnete er damit den Weg für Millers Hollywood-Siegeszug mit den teilweise von Miller selbst inszenierten Comicverfilmungen von "Sin City", "300" oder "The Spirit". Zugleich war "Batman Begins" auch der Durchbruch für Christian Bale als Kategorie-A-Star für veritable Action-Blockbuster. [msc]
2006 Little Miss Sunshine
Es muss nicht immer ein Hollywood-Blockbuster sein. Das Regiedebüt "Little Miss Sunshine" von Jonathan Dayton und Valerie Faris war die Überraschung des Jahres 2006. Beim Sundance Festival vom Publikum gefeiert, zog die Geschichte der schrulligen Familie Hoover, die wegen eines Schönheitswettbewerbs mit einem VW-Bus nach Kalifornien reist, immer mehr Leute in den Bann. Mal komisch, mal traurig – "Little Miss Sunshine" lebt von den Interaktionen zwischen den skurrilen Familienmitgliedern – sei es der sex- und drogensüchtige Großvater oder eben die etwas pummelige Tochter Olive mit ihrem Herzenswunsch, Schönheitskönigin zu werden. Mit einem ironischen Augenzwinkern wird der Schönheitswahn karikiert und das Außenseitertum zelebriert: "Little Miss Sunshine" ist ein kleines Juwel zwischen den auf Hochglanz polierten Hollywoodfilmen. [pfü]
2007 300
Das Jahr 2007 stand im Zeichen
der Fortsetzungen wie "Fluch der Karibik 3" oder "Stirb langsam 4". Da war Zack
Snyders Graphic-Novel Verfilmung "300“ eine willkommene Abwechslung der
besonderen Art. Gedreht mit einem Budget von 65 Millionen Dollar schaffte es
Snyder diesem von absoluter Härte und Männlichkeit geprägtem Action Event etwas
Mystisches zu verleihen. Nicht nur durch seine einzigartigen Slow Motion
Kampfszenen, sondern auch, weil die Geschichte von 300 Soldaten erzählt, die
bereit sind alles für ihre Freiheit zu geben, obwohl die Kräfteverhältnisse
unterschiedlicher nicht sein könnten. Wer also nicht auf eine realistische
Auseinandersetzung mit dem historischen Ereignis hofft, darf sich den epischen
Tenor des Films, der durch den atmosphärisch geladenen visuellen Stil
unterstützt wird, nicht entgehen lassen. Das ist Sparta! [mpf]
2008 Gran Torino
Clint Eastwood ist wie ein guter Wein – er wird mit den Jahren einfach immer besser! In "Gran Torino" beweist der Altmeister, der das Geschäft wie kaum ein zweiter von der Pike auf eingesaugt hat, dass man nicht viel Brimbamborium benötigt, um den Zuschauer mit einer starken Geschichte zu Fesseln. Gewohnt leise und zurückhaltend erzählt er eine nur auf den ersten Blick kleine Geschichte, die zwischen den Zeilen jedoch vom Verfall einer ganzen Nation berichtet. Dabei räumt Eastwood nicht nur mit den Vorurteilen gegenüber fremden Bevölkerungen und deren Traditionen auf, er spricht sie auch noch gnadenlos aus. Voller Sarkasmus und Zynismus erzählt von einem verbitterten Kriegsveteranen, ostasiatischen Einwanderern, ehemaligen Arbeitervierteln, habgierigen Verwandten und einem ganz besonders coolen Auto. Nicht nur für Filmfans ein absolutes Muss! [msc]
2009 Crazy Heart
Der unübertroffene Säuferfilm unter den Säuferfilmen! Jeff Bridges – besser bekannt als "Der Dude", "Seine Dudeheit" oder auch "El Duderino" – legt in der Romanverfilmung über den abgehalfterten Country-Musiker Bad Blake jegliche falsche Scham beiseite und führt sich teilweise schlimmer auf, als David Hasselhoff es in weit verbreiteten Youtube-Videos tut. Doch als Blake gerade auf dem besten Wege ist, sich kompromisslos totzusaufen, trifft er völlig unvermittelt auf die schöne Maggie Gyllenhaal ("The Dark Knight") und ist nun doch gewillt, sein Leben noch einmal komplett umzukrempeln.
Auch wenn die Story von Scott Coopers Debüt-Film einen gewissen Kitsch-Faktor nicht verneinen kann, überzeugt der Film durch die authentische Darstellung von Bridges, der alle Songs selbst gesungen hat und zurecht für seine Leistung mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. [msc]
Auch wenn die Story von Scott Coopers Debüt-Film einen gewissen Kitsch-Faktor nicht verneinen kann, überzeugt der Film durch die authentische Darstellung von Bridges, der alle Songs selbst gesungen hat und zurecht für seine Leistung mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. [msc]
2010 Inception
Mit "Inception" hat Christopher Nolan sein erstes wahres Meisterwerk geschaffen. Obwohl die Idee des Klarträumens spätestens seit "Matrix" oder "Vanilla Sky" ins Kino Einzug hielt, wirkt dieser Film mit seinen verschachtelten Traumebenen eher wie eine Neuerfindung des Genres als wie ein Plagiat. Untermalt wird das Ganze von Hans Zimmers wuchtigem Score, der im Gegensatz zu manch anderen seiner Werke ("Fluch der Karibik", "Gladiator") erfrischend neu klingt und zu den bildgewaltigen Eindrücken wie die Faust aufs Auge passt. Willkommen in Nolans intellektuellem Irrgarten! [cwa]


























